Warum externe Beratung noch lange nicht ausgedient hat!

 

Über Sinn und Unsinn von Blogparaden lässt sich ja bekanntlich auch streiten. Die Blogparade von Conny Dethloff zum Thema „Welchen Mehrwert bringen externe Berater für den Wandel in Unternehmen?” (auf die mich Marvin Ludwig dankenswerterweise aufmerksam gemacht hat) trifft jedoch genau meinen Nerv und eines meiner Lieblingsthemen: nämlich die Bedeutung von externer Beratung. Und deswegen kann ich ja auch fast gar nicht anders, als mich daran zu beteiligen 😉

Aber vielleicht sollte ich erst einmal damit anfangen deutlich zu machen, was ich unter externer (Unternehmens)beratung verstehe. Im Gegensatz zu dem, was häufig unter Unternehmensberatung verstanden wird, nämlich die klassiche Strategie- und Managementberatung, ist Unternehmensberatung für mich ein viel weiteres Feld. Und Achtung, jetzt kommt die Mega-Erkenntnis: Unternehmensberatung ist die Beratung von Unternehmen. Ha, wer hätte das gedacht? 😉

Ok, Spaß beiseite. Was ich damit sagen will ist, dass Unternehmensberatung ein sehr heterogenes Dienstleistungsfeld ist, welches die unterschiedlichsten Bereiche eines Unternehmens betreffen kann und auch betrifft. Angefangen bei Strategie- und Organisationsberatung über IT-Beratung bis hin zu Marketing-Beratung, um nur die wichtigsten zu nennen. Selbst der Relaunch einer Unternehmenswebseite hat ganz viel mit Unternehmensberatung zu tun und nur wenig mit Technik. Erklärung gefällig? Falls nicht, dann einfach den nächsten Abschnitt überspringen 😉

Betrachtet man eine Unternehmenswebseite als das Aushängeschild eines Unternehmens, so muss im Relaunch einer Webseite einiges bedacht werden:

  • Welche Vision und Strategie hat das Unternehmen und wie kann man diese entsprechend vermitteln?
  • Für was möchten wir als Unternehmen nach außen stehen und wie wollen wir wahrgenommen werden?
  • Wollen wir über unsere Webseite Kunden anziehen oder eher nur informieren oder uns vor allem als attraktiver Arbeitgeber darstellen oder Wettbewerber in Angst und Schrecken versetzen?
  • Und wenn wir die Webseite nur auf Kunden ausrichten, welche Kunden können wir denn über die Webseite wie anziehen und warum?
  • Wenn wir authentisch sein wollen, wie müssen wir dann nach innen aufgestellt sein und agieren, um ein kongruentes Bild abzugeben?

Da könnte man jetzt noch weiter und tiefer bohren. Aber ich denke, was ich sagen will ist klar: jede Form einer Veränderung oder Neuerung in irgendeinem Bereich eines Unternehmens bedarf letztlich einer externen Beratung oder zumindest eines Experten oder kompetenten Ansprechpartners, da sie (also die Veränderung oder Neuerung) immer Wellen schlägt und mehrere Bereiche des Unternehmens tangiert. Und gar nicht so selten, wird dies von Personen geleistet, die sich selbst gar nicht als Berater bezeichnen würden!

 

Externe Beratung versus Veränderung von innen heraus

In seiner Blogparade stellt Conny Dethloff unter anderem zwei Fragen:

 

1. Was können externe Berater für den Wandel in Unternehmen einbringen, was von innen heraus schwer bis gar nicht möglich ist?

  • Fachwissen. Das Kerngeschäft eines Beraters ist sein Beratungsfeld. Er tut also, mal ganz vereinfacht gesprochen, den ganzen Tag nichts anderes als Unternehmen zu beraten. Das macht ihn, theoretisch, zu einem Profi in seinem Fachgebiet. Damit er seine Arbeit gut macht (und wir gehen jetzt mal von einer idealen Welt aus, in der ein Berater diesen Anspruch hat) wird er sich in seinem Fachgebiet permanent auf unterschiedliche Art und Weise weiterbilden. Dies kann von Unternehmen selbst in dieser Form nicht erbracht werden. Denn das Kerngeschäft eines, sagen wir mal, Automobilherstellers, ist das Bauen von Autos und nicht z.B. die Organisationsberatung. Selbst wenn er eine eigene Abteilung für Organisationsentwicklung oder ähnliches hat.
  • Externe Perspektive. Man kennt es aus dem Privatleben. Seinen Freunden kann man die besten und sinnvollsten Ratschläge geben. Aber steht man selbst einmal vor dem gleichen Problem, sind alle guten Ratschläge vergessen und man steht wie der Ochse vorm Berg. Man kann sich eben nicht selbst beraten, da man ja selbst Teil des Systems ist. Und das gleiche gilt auch für Unternehmen. Deswegen braucht es meiner Meinung nach externe Beratung. Eine unbeteiligte und sachliche Perspektive von außen, die in der Lage ist Dinge anders zu sehen und die richtigen Impulse zu setzen.
  • Freiheit. Ein externer Berater ist in der Regel neutral und frei von unternehmenspolitischen Zwängen und eigenen Befindlichkeiten in diesem Zusammenhang. Deswegen kann er Schmerzpunkte berühren und verkrustete Strukturen aufbrechen. Etwas, was jemand innerhalb des Unternehmens aus unterschiedlichen Gründen, z.B. eigene Karriereoptionen oder Angst vor Jobverlust, nicht kann. Und gerade diese Art von Disruption braucht es aber, um Wandel anzustoßen.

 

2. Lassen sich Unternehmen nur von innen heraus ändern (operationale Geschlossenheit)?

Ja. Das mag auf den ersten Blick etwas konträr erscheinen. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass externe Beratung als Impulsgeber und Quelle von Fachwissen noch lange nicht ausgedient hat. Wahre Veränderung allerdings kann nur von innen kommen. Und auch hier muss man gar nicht unbedingt irgendwelche Ausführungen der Systemtheorie ran ziehen, sondern kann ganz einfach den Vergleich zum Privatleben ziehen. Wenn jemand vor einem Problem steht, kann man ihm nicht helfen, solange er sich nicht helfen lassen will. Und vor allem nicht erkannt hat, dass er Hilfe braucht und er den Wunsch hat, tatsächlich etwas zu ändern und sein Problem zu lösen. Ich denke, diese Erkenntnis hat jeder von uns schon an der ein oder anderen Stelle gewonnen. Der Veränderungsprozess muss von innen gewollt werden, sonst wird das nix. Aber der erste Impuls kann durchaus von außen kommen und auch das Fachwissen des “wie”.

Deswegen plädiere ich auch für eine andere Art der Unternehmensberatung. Der Berater eher als Experte, den man gezielt zu Rate zieht, der eher Sparringspartner ist oder Coach. Die Umsetzung muss jedoch von innen gestemmt werden. In den Unternehmen brauchen wir mehr Mitarbeiter mit Beratungs- und Beraterfähigkeiten, die Veränderungsprozesse dann von innen begleiten und vorantreiben. Interne Mitarbeiter haben einfach Einblicke in das Unternehmen und seine Strukturen, die externe Beratung nie in diesem Umfang haben wird. Diese „internen Berater” können dann ihre Kollegen (und in manchen Fällen auch ihre Führungskräfte) beraten und anleiten und durch eine geschickte Kombination der externen Impulse und dem Wissen über interne Strukturen und Charaktere hier einen elementaren Beitrag zum Wandel ihres Unternehmens beitragen. Und letztlich schließt sich auch hier dann wieder der Kreis zu dem, was man aus dem Privatleben kennt: man glaubt eher jemandem, den man kennt, glaubt ihm mehr und lässt sich von so jemandem auch eher überzeugen.

 

Best Practices sind Schnee von gestern

Conny Dethloff ruft in seiner Blogparade auch zu Meinungen zur Rolle von Best Practices auf.

Das Best Practices Schnee von gestern sind ist jetzt zugegebenermaßen vielleicht etwas übertrieben. Aber ich war noch nie ein großer Fan von diesem permanenten Referenzieren auf Best Practices. In meinem Berateralltag hat mich eigentlich wenig mehr genervt wie “Wie machen es denn die anderen?”. Sicher macht es Sinn, nicht die gleichen Fehler nochmal zu machen und von anderen bzw. aus deren Fehlern zu lernen. Aber jedes Unternehmen ist individuell mit seinen eigenen Rahmenbedingungen, anderen Charakterisken und speziellen Herausforderungen. Deshalb muss externe Beratung in meinen Augen auch auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten sein. Eine Erkältung wird ja auch anders behandelt als eine Grippe, oder?

Für die meisten Probleme und Herausforderungen auf dieser Welt gibt es keine Patentrezepte. Und nur weil ein bestimmtes Vorgehen oder eine spezielle Methode bei einem Unternehmen erfolgreich war, heißt das noch lange nicht, dass sie dies bei einem anderen auch sein muss. Nichts gegen bewährte Vorgehensweisen, aber bitte mit der entsprechenden, individuellen Adaption! Wenn sich alle gleich verhalten und jeder nur das macht, was sich schon bewährt hat…wo sollen dann noch neue Ideen, Wege und Innovationen herkommen?!?

Uff, jetzt ist mein Beitrag zur Blogparade ja doch schon ganz schön lang geworden…dabei wäre ich schon noch ganz gerne auf die letzte Frage von Conny Dethloff eingegangen: „Welche Erfahrung haben Sie mit Beratern im Kontext Wandel gemacht?“ Aber dazu gibt es in meinen Augen noch einiges zu sagen…und bevor ich jetzt hier den Umfang dieses Beitrags völlig sprenge, hebe ich mir dieses Thema lieber für ein andermal für einen eigenen Beitrag auf 😉

2 Kommentare

  1. Veröffentlich von Toussaint Yaon am 30. Juli 2016 um 19:14

    Ich finde Schade, dass das, was hier geschrieben ist, niemals helfen kann. Ein gelernter Berater ist kein Berater, sondern jemand, der das gelernte ausprobiert.

    • Jenny Meyer Veröffentlich von Jenny Meyer am 1. August 2016 um 9:10

      Danke für den Kommentar, aber ich verstehe ehrlich gesagt nicht zu 100% was Du damit meinst.
      Der Artikel soll ja auch nicht helfen, sondern eher meine Perspektive auf die Bedeutung von externer Beratung widerspiegeln.
      Ich weiß nicht ob es „gelernte Berater“ in dem Sinne überhaupt gibt. Zumindest im Bezug auf klassisches Business Consulting gibt es meines Wissens in Deutschland nur eine Universität, die dies in einer Art Studiengang anbietet. Ich denke ein Berater ist jemand, der in einem bestimmten Themenbereich das entsprechende Fachwissen hat und andere Unternehmen dementsprechend beraten oder auch coachen kann. Unabhängig davon, ob er etwas Gelerntes ausprobiert hat.

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