Erzähl mir doch nicht, was ich eh schon weiß

 

Ich persönlich bin jemand der Zeitverschwendung so überhaupt nicht leiden kann. Erst recht nicht, wenn ich viel zu tun habe und in dieser Zeit wirklich etwas weggeschafft bekommen würde.

Eine der größten Zeitverschwendungen unserer Zeit sind Meetings. Man muß hier wohl sagen ‘leider‘. Denn eigentlich sind Meetings durchaus sinnvoll und nützlich. Vor allem wenn man im Team arbeitet oder verschiedene Stakeholder mit involvieren möchte. Und es geht doch nichts über den Kontakt und den Austausch mit Menschen…selbst wenn es nur telefonisch oder per Webconference ist. Aber ich möchte mich jetzt hier auch gar nicht über die Effizienz und den Sinn oder Unsinn von Business-Meetings auslassen. Wobei…naja…vielleicht doch so ein bisschen. Zumindest über die Zeitverschwendung, die entstehen kann wenn Menschen, nennen wir sie mal Unternehmensberater, Meetings nicht gut vorbereiten. Sowohl inhaltlich-fachlich als auch organisatorisch.

Ich bin ein recht extrovertierter Mensch. Ich pflege meine Profile in den unterschiedlichsten sozialen Netzwerken und ich bin im Internet aktiv, like und kommentiere in unterschiedlichsten Medien und Foren. Es sollte also ein Leichtes sein, sich über mich, meinen fachlichen Background und meine Erfahrungen zu informieren. Ich gebe zu, dass Google bei meinem Allerweltsnamen vielleicht nicht die größte Hilfe ist. Aber in Kombi mit einem Thema (bei mir z.B. reicht schon das Stichwort ’social‘ oder ‘digital’ um zwei, drei Treffer zu finden) findet man mich ganz schnell…und dann kann man ja auch immer noch direkt bei Xing oder LinkedIn suchen. Das ist in der Tat möglich. Es gibt eine Welt neben dem Google-Eingabefenster!

Lange Rede, kurzer Sinn.

Eine der größten Zeitverschwendungen für mich ist, wenn man mir Dinge erzählt, die ich eh schon weiß. Das die Beraterbranche sowieso den Ruf hat, Unternehmen zu erzählen was diese schon wissen (ich erinnere nur an den Witz mit dem Schäfer 😉 ), ist ja bekannt. Und darauf will ich an dieser Stelle auch ausnahmsweise gar nicht hinaus. Sondern darauf, dass Berater, besonders Unternehmensberater, meist im ersten Meeting, meinen den anwesenden Personen deren Fachgebiet erklären zu müssen. Und das nicht etwa kurz in 5 Minuten, um vielleicht nur schnell klar zu stellen, ob alle das gleiche Verständnis vom Thema haben. Nein, lieber in ausschweifender Form mit einer Folien-Show, Mindestdauer 30 Minuten. Und dann am besten immer noch so nach Bestätigung heischend in die Runde schauen. Wohl um sich rückzuversichern, dass es auch wirklich alle verstanden haben.

Während meiner Zeit im Konzern, hatte ich viel mit Beratern zu tun und da ist mir genau das leider viel zu häufig passiert. Und das ist etwas, was für mich einen schlechten (oder schlecht vorbereiteten) Berater ausmacht.

Erzähl mir doch nicht nicht, was ich eh schon weiß – persönlicher Erfahrungsbericht

Zur Verdeutlichung hier ein Beispiel aus meinem Berufsleben als Kunde von Unternehmensberatern. Wir waren damals auf der Suche nach einer IT-Lösung für die digitale Zusammenarbeit (sogenannte “Social Collaboration”) einschließlich entsprechender Beratung und Einführungsbegleitung. Es ging also nicht nur um eine Technologie, sondern insbesondere um die Entwicklung der strategischen Ausrichtung der unternehmensweiten (digitalen) Zusammenarbeit und Kommunikation, Change Management und Organisationsentwicklung.

Wir (als Kunde) haben also Unterstützung bei einem Projekt zur internen digitalen Transformation sowie technischer Umsetzung angefragt. Allein gesunder Menschenverstand sollte also eigentlich ausreichen um drauf zu kommen, dass wir offensichtlich bereits um die Bedeutung der internen digitalen Transformation wussten. Wir hatten auch schon einige kleinere Pilotprojekte gestartet (was wir allen IT- und Beratungshäusern im Rahmen unserer Ausschreibung auch im Vorfeld mitgeteilt hatten). Auch diese Information sollte eigentlich genügend darauf hinweisen, dass wir uns der Schwierigkeiten und Herausforderungen, die bei der Einführung einer solchen IT-Lösung und Umkrempelung des Zusammenarbeitsverhaltens zu bewältigen sind, bereits bewusst sind.

Aber nein, das war dann wohl doch zuviel an Vorbereitung erwartet. Wir durften uns während der Anbieterpräsentationen erstmal eine ganze Weile Allgemeinplätze über die Bedeutung von Social Collaboration und interner Digitalisierung anhören, sowie Hinweise darauf, was man dabei alles beachten müsse und welche Herausforderungen man zu bewältigen hätte. Ok…been there, done that. Erzähl mir doch nicht, was ich eh schon weiß. Sondern zeig mir, wie du es angehen würdest und welche Methoden hier geeignet wären! Ich habe mich an dieser Stelle gefragt, ob sich die Kollegen aus den Beratungshäusern überhaupt die Mühe gemacht haben, diesen Termin auf uns zugeschnitten vorzubereiten. Oder ob sie einfach nur ihre Standardfolien zu dem Thema ausgepackt haben.

Ich würde jetzt ja gern sagen, dies war ein Einzelfall. Aber dieses Vorgehen hat auf fast alle Anbieter in dieser Runde genau so zugetroffen. Manche haben sich dazu dann noch über die grundsätzliche Bedeutung einer begleitenden Beratung und entsprechender Change Management Maßnahmen ausgelassen. Sagte ich bereits, dass wir im Vorfeld klar gemacht hatten, dass wir schon Erfahrungen gesammelt haben?!? Und ich weiß nicht, ob ich schon erwähnte, dass ich jahrelang Erfahrung mit diesen IT-Lösungen und vor allem den entsprechenden Strategie- und Einführungskonzepten und Change Management Maßnahmen gesammelt habe (welches man durch eine 5-minütige Vorab-Recherche meiner Person bereits hätte wissen können) und man mich durchaus als Experte auf diesem Gebiet bezeichnen könnte?!? Nun…erzähl mir doch nicht, was ich eh schon weiß und verschwende meine Zeit damit.

Natürlich muss man den Kollegen aus den Beratungshäusern zu Gute halten, dass diese in diesem Moment sich und ihre Kompetenz verkaufen wollten und natürlich insbesondere all ihr Wissen über den Sachverhalt der internen Digitalisierung und Social Collaboration. Aber bitte doch nicht so. Ich wäre deutlich beeindruckter gewesen, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, hier hat sich jemand im Vorfeld gründlich Gedanken gemacht. Darüber wo wir als Kunde stehen, darüber wer mit welchem Hintergrund in diesem Meeting sitzt und darüber wie man uns ganz konkret auf unserem Weg helfen könnte. Anstatt Standardphrasen loszulassen, Standardfolien zu zeigen und uns die ganze Zeit so leicht unterschwellig das Gefühl zu vermitteln wir wären etwas…mh…doof. Wir hätten all die Meetings um durchschnittlich ein Viertel kürzen können (und entsprechend andere Dinge in dieser Zeit erledigen können), wenn die Berater besser vorbereitet zu uns gekommen wären und wir direkt ins Thema eingestiegen wären, anstatt uns erst erzählen lassen zu müssen, was wir eh schon wussten.


Wie siehst Du das? Hast du schonmal das Gefühl gehabt, dem Kunden etwas zu erzählen was er schon längst weiß? Oder hast du einfach nicht gewusst, wie Du Dich spezifischer auf den Kunden hättest vorbereiten können? Oder findest du es wichtiger zu zeigen, was Du alles verweist ohne Rücksicht darauf, dass der Gegenüber vielleicht den gleichen Wissensstand hat? 

Ich freue mich auf Deine Kommentare und Anmerkungen!

Hinterlassen Sie einen Kommentar





*